Das langsame Ende




Schon 1980, also nur 6 Jahre nach Inbetriebnahme der letzten GT8 Serie, begann der langsame Rückzug dieser Fahrzeuggattung.
Als erstes erwischte es Wagen 79 nach einem Unfall mit dem Wagen 45, aus den intakten Teilen beider Wagen wurde ein neuer Wagen 45 gebaut, der Rest als erster GT8 verschrottet. Sorgte die erste Lieferung des Nachfolgertyps N8C für die Ausmusterung der GT4, so waren nun die ersten GT8 an der Reihe und mussten das Feld räumen.
Das große Verschrotten blieb jedoch zunächst aus. Karlsruhe vermeldete Wagenmangel und übernahm kurzerhand 10 der freigesetzten Fahrzeuge. Per Bahn gelangte Wagen 71 als erster in sein neues Domizil, bis Ende Juni folgten die weiteren 9 auf gleichem Wege. Bereits im July 1981 gingen 2 weitere Wagen auf die Reise, zunächst per Bahn bis Hamburg, um von dort per Schiff nach Hiroshima zu gelangen. Es waren die Wagen 76 und 80. Dennoch wurden in diesem Jahr 3 weitere Wagen verschrottet. Durch die Anlieferung der dritten und letzten N8C Reihe wurden erneut GT8 freigesetzt, hiervon gelangten zwischen November 1982 und April 1983 insgesamt 8 Fahrzeuge nach Wuppertal.
In den Folgejahren kam es hin und wieder zu Verschrottungen durch Fristabläufe, Unfälle oder sonstige Schäden, erst 1987/88 wurden wieder zahlreiche GT8 durch die ersten B-Wagen überzählig und gingen den Weg des alten Eisens da sich keine Käufer fanden. War bisher nur die erste Serie von 1959 betroffen so waren es nun überwiegend die Wagen der zweiten Serie von 1966. Als ersten Wagen von 1969 erwischte es im Februar 1987 den Wagen 88, er erlitt in Wickede einen Kurzschluss und brannte völlig aus. So war der Bestand an GT8 bis Ende 1989 bereits von ehemals 91 auf 47 Wagen reduziert.
Nach 3 recht ruhigen Jahren kam es ab 1993 wieder verstärkt zu Ausmusterungen, bedingt durch regelmäßige Lieferungen von Stadtbahnwagen B80C, die auf dem Stadtbahnnetz die N8C verdrängten, was wiederum zum „Aus“ vieler GT8 auf dem Straßenbahnnetz führte. Den Anfang machte im März 1993 der Wagen 90, 1991 erst frisch in weiß/rot lackiert und völlig intakt, der seine letzte „Henkersfahrt“ von Dorstfeld zur Hw Immermannstr. durch den Tunnel selbstständig durchführen durfte. So wurden bis April 1994 insgesamt 11 Wagen ausgemustert und verschrottet, darunter auch die letzten 4 „59er“. Mit Wagen 64 wurde im Dezember 1993 der mit 34 Jahren Dienstälteste aller GT8 in die Schrottpresse geschoben. Als ersten Wagen aus der letzten Serie von 1974 erwischte es Wagen 8,er wurde im August 1994 nach einem schweren Unfall im Jahre 1993 nicht wieder neu aufgebaut, wie einst geplant mit Teilen vom Wagen 84, sondern ebenfalls verschrottet.
Da zum Fahrplanwechsel am 25.09.94 die U47 auf B80C umgestellt wurde und dieses eine größere Menge N8C für den Oberflächenverkehr freisetzte, wurden mit Betriebsende am 24.09.1994 alle GT8 der Serien von 1966 und 1969 bis auf Wagen 91 in den Betriebshöfen Dorstfeld und Westfalendamm sowie in der HW Immermannstr. abgestellt. Dieser folgte aber leider auch Ende Dezember. Die abgestellten Wagen wurden diesmal jedoch nicht verschrottet sondern allesamt verkauft,2 an Privat, 15 Stück an die MGB Mittenwalde, nachdem ein Verkauf nach Rumänien gescheitert war. Damit waren nur noch 14 Wagen der Serie von 1974 ( 1-7+9-15 ) im Einsatz, und dazu nur noch auf der SL 403 Dorstfeld - Brackel, in Ausnahmefällen auch noch auf der 406.
Dennoch bewältigten die restlichen Wagen auch noch große Aufgaben, so z.b. im Januar und Februar 1996 bei einem starken Wintereinbruch. Die extreme Kälte von bis zu -15 Grad legte diverse N8C lahm, die dann durch GT8 - soweit vorhanden - ersetzt wurden. So kam es zu einem großen Einsatz auch auf der SL 408 zwischen Hombruch und Wickede, wo dieser Typ sonst nicht mehr verkehrte. Dieser Zustand hielt etliche Tage an, wobei an einem Sonntag ausschließlich GT8 auf der 408 unterwegs waren und die restlichen auf der 404 und 406. So waren an einem Sonntag alle 14 GT8 im Einsatz, ein außergewöhnlicher Zustand! Hier zeigte sich wieder einmal die hohe Zuverlässigkeit der GT8 trotz der widrigen Einsatzverhältnisse! Während die N8C reihenweise aufgrund von Elektronikproblemen den Dienst versagten fiel nicht ein GT8 wegen Eis und Kälte aus!! Doch schon im Juni nahte weiteres Ungemach.
Am 02.06.96 wurde die neue Stadtbahnlinie U46 zwischen Polizeipräsidium und Brügmannplatz/Grevel in Betrieb genommen und dafür die Linie 406 Marten-Präsidium eingestellt. Fortan gab es nur noch die Linien 404 Marten-Westfalenhütte und zwei 408,eine kurze zwischen Nicolaikirche und Brackel ( nur in der HVZ) sowie eine lange zwischen Hombruch und Wickede, allesamt mit N8C betrieben. GT8 fuhren nur noch auf einer Verstärker 404 die von Dorstfeld kommend mal bis Wambel oder aber auch nur bis Ostentor verkehrte, dazu völlig taktlos, ein verspäteter Aprilscherz. Da hierfür nur noch ein paar Wagen nötig waren wurden am 17/18.07.96 die Wagen 3,4,7,10, 12,14 und 15 zur ehemaligen Hw Immermannstr. überführt, zum Teil eigenständig in „Doppeltraktion“, und dort im Freigelände abgestellt.
Die Dortmunder Stadtwerke hatten jedoch ein Einsehen und behoben das Fahrplanchaos kurzerhand ab Ende August. Sodann verkehrte zwischen Dorstfeld und Wambel im zehn Minuten-Takt die neu geschaffene Linie „E“ als Ersatz für die Verstärker 404. Eingesetzt wurden hier fast ausschließlich GT8. Da die vorhandenen 7 Wagen nun nicht mehr ausreichten mussten abgestellte Wagen aus der Immermannstr. zurück geholt und reaktiviert werden. Den Anfang machten die Wagen 10 und 12 die sofort wieder in den Liniendienst gelangten, gefolgt von 14 und 15. Die restlichen Wagen 3,4 und 7 mussten Ende September zusammen mit einigen dort noch in der ehemaligen Hw stehenden Arbeitswagen mit ATW 902 nach Dorstfeld überführt werden, hatte man in der Zwischenzeit doch sinnigerweise bereits Teile der Oberleitung in der Immermannstr. abgebaut! Diese GT8 blieben jedoch abgestellt.

Nachdem es zunächst so aussah dass zumindest 11 GT8 noch länger in Betrieb bleiben würden wurden am 10. und 11.12.96 kurzerhand 6 GT8 per Straßentieflader nach Essen abtransportiert, von wo sie per Eisenbahn nach Resita in Rumänien gebracht wurden. Es handelte sich dabei um die seit July abgestellten (und fest für Resita eingeplanten) Wagen 3, 4 und 7 sowie die im Oktober abgestellten 1, 2 und 6. Damit war der Bestand auf magere 8 Wagen geschrumpft!

Mit Fahrplanwechsel Mai 1997 kam die Linie 403 zwischen Dorstfeld und Wickede zurück. Somit kamen nun auch wieder GT8 verstärkt nach Wickede, in Einzelfällen sogar im Spätverkehr nach Hombruch auf der Linie 408 da die 403 dann nicht mehr fuhr und in Wickede Abends der Linienwechsel stattfand,die 408 fuhr nun durch bis Wickede (Tagsüber nur Hombruch-Brackel in Traktion).
Ab July wurden die Wagen jedoch von der 403 abgezogen und auf der 404 Marten-Westfalenhütte eingesetzt, und das in der Regel mit allen 7 Kursen was alsbald zu Bürgerprotesten führte die den DSW vorwarf, durch diese „unbequemen Altwagen“ die Linie absichtlich unattraktiv zu machen, um den Ast nicht an den Ost West Tunnel anbinden zu müssen. Die GT8 blieben trotzdem (die Anbindung wird auch gebaut!), nun aber nur noch mit maximal 5 Kursen, der Rest kehrte mit in der Regel 2,maximal 3 Wagen auf die 403 zurück. (siehe Artikel)
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Partywagen 221 wurde zum Jahresende 1996 nach Fristablauf abgestellt, aufgrund seines schlechten Zustands kam eine neue HU nicht mehr in Frage. Auch den kurze Zeit gehegten Plan ihn durch Wagen 15 zu ersetzen wurde nicht verwirklicht.

Bis November 1999 änderte sich an den GT8 Einsätzen praktisch nichts, dann wurde die U45 nach Brechten auf B-Wagen umgestellt was die letzten N8 aus dem Tunnel verbannte und für die Oberfläche freisetzte. Bis auf die Wagen 5,12 und 13 wurden alle restlichen GT8 abgestellt, dennoch wurde ein Kurs der Linie 404 weiterhin mit einem GT8 betrieben, des öfteren verlor sich auch einer auf der 403. Im Juni 2000 gesellte sich auch Wagen 12 zu den abgestellten und wurde zusammen mit diesen im September nach Resita verladen und auf die Reise geschickt. Die beiden verbliebenen Wagen 5 und 13 teilten sich nun den Kurs auf der 404, ursprünglich sollte dies bis zur U42 Eröffnung im Juni 2002 auch so bleiben. Ein Unfall des Wagen 5 auf der Heyden-Rynsch Str Anfang März 2001, bei dem ein Kopf recht stark beschädigt und verzogen wurde und zur Abstellung des Wagens führte, durch kreuzte diese Pläne.
Da die Bereitstellung eines einzelnen Wagens nicht mehr lohnte bedeutete dies auch das „Aus“ für Wagen 13. Unter großer Anteilnahme und geschmückt unternahm dieser am 30.04.2001 seine Abschiedsfahrt durch Dortmund und wurde danach im Betriebshof Dorstfeld in der Halle abgestellt.
Am 19.12.2001 wurden die Wagen 5 und 221 verschrottet. Damit war der Wagen 13 der letzte noch vorhandene GT8 bei den DSW.

Im April 2009 kehrte der ehemalige Wagen 87 wieder nach Dortmund zurück, allerdings nicht zu den DSW, sondern zum Bahnhof Mooskamp des WAB. Im Dezember 1994 hatte er Dortmund in Richtung Wuppertal verlassen und diente dort, umgebaut zum Bistrowagen, auf dem Gelände des ehemaligen Straßenbahnbetriebshofes Heckinghausen als Denkmal an die Wuppertaler Straßenbahn. In seiner neuen Heimat wird der Wagen derzeit aufgearbeitet und in seinen Originalzustand zurückversetzt. Damit dürfte Wagen 87 langfristig der einzige überlebende Dortmunder GT8 sein...DENN...nach rund 9 jähriger Abstellzeit im Betriebshof Dorstfeld wurde der letzte GT8 bei den DSW, Wagen 13, nicht in den fahrfähigen Museumsbestand übernommen sondern zu einem Tramcafe umgebaut und im Mai 2010 an der ehemaligen Haltestelle Kampstraße aufgestellt. Damit kann sich jeder Normaldenkende vorstellen was mit dem Wagen mittelfristig passieren wird, da er nun dem Vandalissmuss und Witterungseinflüssen schutzlos ausgeliefert ist. Schon Tage nach seiner Aufstellung kam es zu ersten Graffiti Attacken...ob die neue Betreibergesellschaft "Linie 403 Strassenbahncafebetriebs GmbH" wirklich weiß, worauf sie sich da eingelassen hat...?

Nein, offensichtlich nicht! Denn das Konzept scheiterte, die Betreibergesellschaft geriet in die Insolvenz. In Folge dessen war der Wagen monatelang ungenutzt, was seinen Zustand nicht gerade verbesserte.
Im Mai 2015 fand sich mit dem Restaurant "La Paz" ein Käufer für den Wagen. Dieser hat sein Domnizil in der Hansastr. unweit des Wagens und serviert nun Tapas und andere Spezialitäten in dem Fahrzeug. Hierfür wurde der Außenbereich umgestaltet und der GT8 neu gestylt, er erstrahlt nun in schwarz. Eine richtige Aufarbeitung gab es aber leider nicht, bereits ein Jahr später sind schon wieder deutliche Roststellen erkennbar...
Schade drum, so wird man dieses Stück Dortmunder Zeitgeschichte höchstwahrscheinlich nicht mehr als betriebsfähigen Museumswagen auf Dortmunder Gleisen erleben können, und ein weiterer Verfall des Wagens ungeschützt bei Wind und Wetter ist vorprogrammiert. Da fragt man sich...wie lange noch...??