Der GT8 in anderen Städten


 

Entgegen vieler Fahrzeuge, die nach der Ausmusterung verschrottet wurden, konnten einige Dortmunder GT8 ab Anfang der 80er Jahre zur weiteren Nutzung an andere Städte verkauft werden. Neben Karlsruhe, Wuppertal und Hiroshima gelangten auch gut 20 Wagen in das rumänische Resita, wo die Wagen noch bis August 2011 im Einsatz waren.

Karlsruhe
Die Verkehrsbetriebe in Karlsruhe hatten Anfang der 80er Jahre einen erheblichen Wagenmangel zu beklagen, um diesen zu überbrücken nutze man die Möglichkeit günstig gebrauchte Wagen aus Dortmund zu erwerben. Zwischen März und Juni 1981 gelangten somit 10 GT8 nach Karlsruhe, die in ihrer Heimatstadt durch N8C verdrängt worden waren. Den Auftakt machte der Wagen 71 am 11.03.1981,gefolgt von Wagen 74 am 24.03.1981.Mit Wagen 59 verließ am 26.06.81 der letzte der 10 Dortmunder die heimischen Gleise in Richtung Karlsruhe. Dort erhielten die Wagen folgende neue Betriebsnummern:
216= Do71, 217= Do74, 218= Do72, 219= Do70, 220= Do58, 221= Do68,222= Do48,223= Do55, 224= Do49, 225= Do59.
Grosse nennenswerte Umbauten gab es nicht. Die noch in Dortmund aufgesetzten GT4 Bügel wurden entfernt und gegen einen Einholmbügel ersetzt, der immer in Fahrtrichtung angelegt war. Die Perronstufe im Innenraum wurde mit einer gelben Warnfarbe versehen und die vorderen Haltestangen ausgebaut. Nach und nach erhielten sie auch noch eine neue Lackierung im Karlsruher Look, gelb mit roten Zierstreifen und einem graugrünen Dach. Eingesetzt wurden die Wagen zunächst überwiegend auf der HVZ Linie 2E, zwischen Durlach und Rheinstrandsiedlung. In der Sommermonaten gelangten sie auch zum Rappenwört.
Die Ära der Dortmunder GT8 dauerte jedoch nicht allzu lange. Der nicht besonders gute Allgemeinzustand führte zu der Entscheidung, keine großen Investitionen mehr an den Wagen zu tätigen. Mit HU Fristablauf wurden sie daher abgestellt.Als ersten erwischte es Wagen 217 bereits 1985,der nach einer Entgleisung sofort verschrottet wurde. Wagen 222 wurde im gleichen Jahr nach Wuppertal abgegeben, bis Ende 1987 bis auf 3 Wagen alle ausgemustert. Diese (216,218,219) folgten im Laufe des Jahres 1988,danach standen sie noch einige Zeit im Betriebshof Tullastraße und wurden bis Ende 1990 verschrottet.


Hiroshima
Bereits im July 1981 verließen die nächsten beiden GT8 das Dortmunder Stadtgebiet. Es waren die Wagen 76 und 80 die am 23.07 bzw. 29.07 per Bahn nach Hamburg gelangten um von dort aus in japanische Hiroshima verschifft zu werden. Am 6. September trafen die Wagen in ihrer neuen Heimat ein, es folgte ein langer und umfangreicher Umbau der erst im Oktober 1982 abgeschlossen war.Am 18.11.1982 wurden beide Fahrzeuge mit einem feierlichen Akt dem Betrieb übergeben. Der Umbau umfasste unter anderem:

-Einbau von Klimaanlagen in den beiden Köpfen-dadurch Verlegung der Dachwiderstände auf das Mittelteil sowie Verlängerung und Erhöhung der Dachumrandung.
-Schließung der jeweils hinteren linken Einstiege.
-Einbau von horizontal beweglichen Stufen an den jeweils vorderen linken Einstiegen.
-Nivellierung des Fahrzeugbodens an beiden Wagenenden.
-hochgezogene Trennwand zum Fahrerplatz.
-Umbau der Luftdruckbremse von Fuß- auf Handbetätigung, dadurch bedingte Umgestaltung des Fahrerpultes.
-Einbau von jeweils zwei kleinen Dachstirnlampen, und einiges mehr...

Des weiteren sind die Einrichtungen für die Türbetätigung durch den Fahrgast sowie Haltewunsch stillgelegt, aber noch vorhanden. Die Fahrgastabfertigung erfolgte durch Fahrer und zwei Schaffner, hierfür waren an den mittleren Einstiegen Schaffnerplätze geschaffen worden, die eine gewisse Neuanordnung der Bestuhlung bedingte. Interessanterweise behielten beide GT8 die Dortmunder Originalfarben,76 mit Königs Pilsener Vollwerbung in Silber und 80 in beige/braun mit Lotto Seitenwerbung, sowie fast vollständig die deutschen Beschriftungen innen und außen. Der Wagen 80 wurde jedoch in 77 umgenummert.
Beide Wagen standen so lange Zeit in Linienverkehr, später wurden sie für Sonderfahrten eingesetzt. Während Wagen 77 nach längerer Abstellzeit im Januar 2006 verschrottet wurde, stand Wagen 76 noch bis im Jahre 2008 für Sonderfahrten zur Verfügung ehe auch er abgestellt wurde. Eine Verschrottung droht ihm zumindest vorerst nicht, denn er wurde umgebaut und vor einem Supermarkt südlich der Hauptverwaltung der Straßenbahngesellschaft als europäisches Cafe aufgestellt. Mittelfristig droht ihm aber das gleiche Schicksal wie hierzulande dem GT8 13 in Dortmund auf der Kampstr.


Wuppertal
Wuppertal suchte Anfang der 80er Jahre dringend Fahrzeuge um die eigenen „Schüttelrutschen“ des Typs GT4 (neuer Aufbau mit altem Fahrgestell) ausmustern zu können, diese standen zum Teil vor teuren HUs und man wollte in sie nichts mehr investieren. Da die Zukunft der Wuppertaler Straßenbahn nicht gesichert war kamen Neufahrzeuge wie der N8C, den viele Stadtwerker gerne an der Wupper gesehen hätten nicht in Frage, sondern es wurde Ausschau nach geeigneten Gebrauchtfahrzeugen gehalten.

Da Dortmund durch N8 Anlieferungen wieder überzählige GT8 ausmusterte übernahmen die WSW zunächst 2 Wagen um deren Eignung zu testen. Am 24.November 1982 gelangte mit Wagen 75 der erste Dortmunder GT8 an die Wupper, Wagen 44 folgte einen Tag später. Es folgten zahlreiche Mess- und Testfahrten im Wuppertaler Netz, diese zumeist nächtlichen Fahrten waren notwendig da die Dortmunder mit einer Breite von 2,30 m um 10 cm breiter waren als die bisherigen Wuppertaler. So mussten einige Absperrungen im Gleisbereich demontiert und verändert werden, zudem wurden einige Begegnungsverbote in Kurven eingerichtet. Die Strecke der Linie 602 zur Weiherstr. blieb jedoch aufgrund zu enger Kurven für die GT8 tabu.
Nach den erfolgreichen Fahrversuchen, in denen der GT8 seine Tauglichkeit bewiesen hatte, wurde auch das Fahrpersonal auf diesem Wagen geschult und kurzerhand 6 weitere Wagen aus Dortmund übernommen. Es waren die Hansa Wagen 60,42,47,43,46,45, die in dieser Reihenfolge nach Wuppertal gelangten, Wagen 75 blieb somit der einzige Düwag Wagen. Zuvor wurde diesen wie schon bei den vorher verkauften zum Teil GT4 Bügel aufgesetzt. Nach kurzen Anpassungsarbeiten wurden die Wagen zunächst in alter Dortmunder Lackierung eingesetzt und erhielten dort folgende neue Betriebsnummern:
3823= Do 60, 3824= Do42, 3825= Do75, 3826= Do47, 3827= Do43, 3828= Do44,3829= Do46, 3830= Do45
Anfang 1985 gesellte sich noch der ehemalige Dortmunder Wagen 48 dazu, er kam auf dem Umweg über Karlsruhe an die Wupper und wurde als 3831 eingereiht.

Später wurden die Wagen nach und nach in die Wuppertaler Farben umlackiert. 3824 bis 3826 und 3830 wurden zunächst in alter WSW Farbgebung (beige) lackiert, Wagen 3826 erhielt 1985 die neue Lackvariante in orange/blau und hatte somit beide Varianten getragen. 3823,3827,3828 und 3831 wurden in orange/blau lackiert.

Obwohl bereits im September 1983 der Beschluss zur Einstellung der Straßenbahn im Jahre 1987 gefallen war, wurden die Wagen liebevoll gepflegt und wenn erforderlich mit neuen HUs versehen, dabei wurden sie aufwändig aufgearbeitet. Dabei hatte die Werkstätte der WSW ihr Können unter Beweis gestellt, denn so gepflegt und in gutem Zustand hatte man sie schon lange nicht mehr gesehen.

Neben dem traurigen Kapitel der Einstellung der Straßenbahn und der bereits ab 1984 durchgeführten Streckeneinstellungen die dazu führten dass ab Juni 1985 lediglich nur noch 2 Linien ( 601 Heckinghausen-Wieden und 611 Heckinghausen-Gabelpunkt ) unterwegs waren gab es noch weitere düstere Kapitel in der Geschichte der Dortmunder in Wuppertal.
Nur kurz verweilte Wagen 3829 in Wuppertal, ein Unfall mit einem Lkw zog ihn bereits nach 2 Monaten aus dem Verkehr. Aufgrund des großen Schadens und der bald bevorstehenden HU wurde er verschrottet. Wegen eines Kurzschluss brannte am 12. Januar 1985 der Wagen 3827 an der Haltestelle Saurenhaus nähe Wieden vollständig aus. Die Hitzeentwicklung war so groß, dass selbst die Fahrplantafel und ein Schaltschrank schmolzen. Als Ersatz wurde wie schon erwähnt der Karlsruher Wagen 222 ex Dortmund 48 übernommen. Selbst an ihrem Abschiedstag, der Einstellung der Straßenbahn am 30. Mai 1987, blieben die Dortmunder nicht vom Unheil verschont. GT8 3825 kollidierte mit einem Pkw, wurde zum Glück aber kaum beschädigt und konnte die Fahrt fortsetzen. Es war bereits deutlich nach Mitternacht als Wagen 3826 ex Dortmund 47 als letzter Wagen in die Wagenhalle einfuhr und die Wuppertaler Straßenbahngeschichte damit beendete.
In einem äußerst guten Zustand, Wagen 3828 hatte erst ein Jahr zuvor eine umfassende HU mit Neulack bekommen (bis dahin war er im Dortmunder braun unterwegs gewesen), wurden die Wagen mehreren Betrieben zum Kauf angeboten. Unter anderem auch Graz, die Österreicher hatten zuvor einen Grossteil der schmäleren Original Wuppertaler GT8 übernommen, doch denen waren sie mit ihren 2,30m zu breit. Als alle weiteren Verkaufsgesuche scheiterten wurden die Wagen Mitte November 1987 nach Blankenstein transportiert und dort verschrottet. Für sie viel der eiserne Vorhang leider ein paar Jahre zu spät.
So bleibt festzuhalten dass den Dortmundern auch in Wuppertal leider kein allzu langes Leben gegönnt war, es waren nur ziemlich genau 5 Jahre zwischen dem Anfang und dem Ende.


Mittenwalde
Durch den fortschreitenden Einsatz der Fahrzeuge vom Typ N8C auf den oberirdischen Dortmunder Strecken kam es zum Anfang der neunziger Jahre wieder verstärkt zu GT8 Ausmusterungen. Die bisher größte Anzahl von 17 Wagen wurde am 24.09.1994 betriebsfähig abgestellt.
Zwei dieser Fahrzeuge (87,89) wurden privat verkauft. Die restlichen sollten ursprünglich nach Bukarest in Rumänien abgegeben werden. Dies kam jedoch nicht zustande. Die Mittenwalder Waggon- und Gerätebau GmbH kaufte diese 15 Wagen und wollte sie nach einer Modernisierung nach Rostow in Rußland liefern. Aufgrund des hohen Kaufpreises zerschlug sich dieses Geschäft. Auch andere Verkäufe kamen nicht zustande und die Wagen standen nach 3 jähriger Standzeit im Jahre 1998 schon fast vor der Verschrottung. Durch das Engagement des „Rumänien Experten“ G.H. Köhler konnten zumindest 10 Wagen (30,31,32,35,37,39,82,83,86,91) nach Resita in Rumänien vermittelt werden, der Rest (28,34,36,40,85) wurde ausgeschlachtet und meiner Kenntnis nach dort im Jahre 2000 endgültig verschrottet.


Resita
Zwischen Dezember 1996 und September 2000 gelangten insgesamt 22 Dortmunder GT8 der Baujahre 1966,1969 und 1974 in die rumänische Industriestadt Resita.
Den Anfang machten 1996 die Wagen 1-4,6 und 7, es folgten im Jahre 1998 weitere 10 Wagen (30,31,32,35,37,39,82,83,86,91) die über 3 Jahre in Mittenwalde standen, den Abschluss bildeten im Jahre 2000 die praktisch letzten noch in Dortmund im Einsatz stehenden Wagen der Serie von 1974, nämlich 9-12,14 und 15.
Die ersten Wagen von 1996 wurden zunächst unverändert zum Einsatz gebracht, auch die Dortmunder Wagennummern blieben angeschrieben. Da es in Resita nur eine Linie gibt brauchte diese nicht extra im Linienschildkasten angezeigt werden, hier wurden nun die neuen Wagennummern angezeigt.Die zweite Lieferung aus Mittenwalde musste aufgrund ihrer langen Standzeit etwas aufgearbeitet werden bevor sie in den Liniendienst gelangten. Nach Eintreffen der letzten Dortmunder Wagen im Jahre 2000 konnten dann endgültig die letzten, abgewrackten, Timis Züge ausgemustert werden. Mittlerweile wurden einige Wagen zu Einrichtungswagen umgebaut,der zweite Führerstand wurde außer Betrieb genommen und durch eine Trennwand ähnlich den GT4 geschlossen. Bei Wagen 2 wurden nach einen Unfall die vorderen Seitenscheiben verblecht, was zu einem recht ungewöhnlichen bis skurrilem Aussehen führt(Brezelkäfer).

In Resita erhielten die Wagen folgende neue Wagennummern:
Do 10 = Resita 10, Do 11 = Resita 11, Do 12 = Resita 12, Do 15 = Resita 13, Do 14 = Resita 14, Do 1 = Resita 15, Do 2 = Resita 16, Do 3 = Resita 17, Do 4 = Resita 18, Do 6 = Resita 19, Do 7 = Resita 20, Do 83 = Resita 21, Do 35 = Resita 22, Do 86 = Resita 23, Do 91 = Resita 24, Do 82 = Resita 25, Do 37 = Resita 26- verschrottet, Do 30 = Resita 27, Do 31 = Resita 28, Do 32 = Resita 29, Do 39 = Resita 30-verschrottet, Do 9 = Resita 30 (2)
Damit waren von ursprünglich 22 Wagen nur noch 20 im Einsatz.

Nachdem der städtische Ver- und Entsorger Prescom Ende Mai 2011 in Insolvenz gegangen war betreibt nun ab Anfang Juni 2011 das Speditionsunternehmen RoA-TIR aus Medias den Nahverkehr in Resita. Anfangs bzw. bis Ende August auch noch mit den letzten paar einsatzfähigen Straßenbahnen, danach wurde der Straßenbahnbetrieb komplett eingestellt! Bereits zuvor wurde durch Probleme an der Infrastruktur (ungenügende Stromversorgung, fehlende Ersatzteile für die Wagen wodurch ein Großteil nicht mehr in Betrieb gehalten werden konnte) nur noch der Streckenast Renk - Pt. Republicii befahren. Was mit den ex Dortmundern letztendlich passiert ist wohl derzeit noch offen, eine Verschrottung ist schon aufgrund des schlechten Zustands aber durchaus wahrscheinlich.
Stand Januar 2012

Update 2014...Mittlerweile wurden, wie leider befürchtet, alle Wagen verschrottet! Damit ist auch das Kapitel Resita nach immerhin gut 15 Jahren für die Dortmunder GT8 beendet.