Der N8C in Danzig


 

Bereits bevor die neue Niederflurgeneration in Dortmund eintraf, gingen 2 N8C im Februar 2007 auf die Reise. Ziel der Wagen 133 und 140 war die polnische Hafenstadt Danzig (polnisch "Gdansk") an der Ostsee, die die Wagen nach leichten Anpassungsarbeiten und einer Neulackierung alsbald im Liniennetz einsetzte. Als neue Wagennummer wurde der bisherigen einfach eine 1 vorangesetzt, aus 133 wurde so 1133, aus 140 wurde 1140. Dieses Schema wurde auch später bei allen anderen Wagen beibehalten.
Da die Wagen überzeugten und der Wagenpark trotz der Neuanschaffung von Niederflurbahnen nach einer dringenden Modernisierung verlangte, kam es am 07. November 2007 zur Vertragsunterzeichnung zwischen den DSW21 und der ZKM Gdansk für die Übernahme aller 44 noch in Dortmund vorhandenen N8C, Lieferung zwischen Mitte 2008 und Mitte 2011. Als Kaufpreis wurden rund 1,4 Millionen Euro vereinbart, also rund 32000 Euro pro Wagen.

Mit Eröffnung des neuen Dortmunder Ost-Westtunnels und der damit verbundenen Inbetriebnahme der ersten NGT8 Niederflureinheiten wurden die ersten N8C in Dortmund überzählig und folglich ausgemustert. Als ersten traf es Wagen 113, der im Juni 2008 Dortmund in Richtung Polen verließ, aber nicht nach Danzig, sondern zunächst nach Posen zur Firma Modertrans, die alle N8C modernisieren wird. Die Modernisierung beinhaltet den Einbau eines Niederflurmittelteils, neue Fahrzeugfronten aus GFK im modischen "Niederflurwagendesign", eine Auffrischung des Innenraums durch neue Sitze und weißer Lackierung, Überarbeitung der Armaturentafel, Fahrzeugneulackierung. Die eigentliche Technik der Wagen, insbesondere Fahrwerk, Elektrik und Fahrzeugsteuerung bleibt dagegen nahezu unangetastet. Die neue Typenbezeichnung für die Fahrzeuge lautet nun N8C-MF01

Da Wagen 113 praktisch der Prototyp dieser Modernisierungsreihe war der natürlich längere Zeit für die Fertigstellung benötigte, gingen alle weiteren Wagen aus Dortmund zunächst wieder direkt nach Danzig, wo sie nach einer Neulackierung unmodernisiert in den Linieneinsatz gingen. Dies betraf die Wagen 125, 114, 110 und 141. N8C 136 ging dann als nächstes im Oktober wieder direkt nach Modertrans in Posen. Da es bei der Modernisierung in Posen offensichtlich unvorhergesehene Probleme gab und sich damit die Fertigstellung des Wagen 1113 deutlich verzögerte, wurden die weiteren Wagen aus Dortmund zunächst wieder nach Danzig gebracht, es waren die N8C 108, 139, 138 und 137. Interessantes Detail...während die ersten 3 Wagen wie die vorherigen nach Neulackierung unmodernisiert in den Liniendienst gingen, wurde Wagen 137 noch in Dortmund die alte DSW Raute an den Fronten angeklebt und unverändert im Dortmunder Lack braun/beige eingesetzt. Dies war dann auch der letzte Wagen der ohne Umweg über Posen nach Danzig gelangte, ab Wagen 111 im März 2009 gelangten nun alle weiteren N8C erst zum Umbau nach Modertrans, bevor sie Danzig erreichten. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten beträgt die Umbauzeit pro Wagen nur noch 6 bis 8 Wochen, bei dem ersten Wagen 1113 hatte sie noch 10 Monate betragen.

Nachdem ausreichende Kapazitäten zum Umbau bei Modertrans in Posen zur Verfügung standen, gelangten auch nach und nach die noch unmodernisierten Wagen aus Danzig dorthin. So befand sich Mitte September 2010 nur noch der Wagen 1138 unmodernisiert in Danzig. Somit ist auch der "braune" 1137 im Dortmunder Urzustand nicht mehr im Einsatz.
Nicht verschwiegen werden sollte die Tatsache, dass einige "Dortmunder" bereits in Unfälle verwickelt waren. Besonders schwer erwischte es dabei den bereits modernisierten Wagen 1115 bei einem Auffahrunfall mit einem Wagen vom Typ Konstal 105N, wo ein Wagenkopf schwer beschädigt und bei Modertrans neu aufgebaut wurde. Die Aufarbeitung dauerte ca. ein halbes Jahr.
Nach Plan sollen bis Ende 2011 ein Großteil der ehemaligen Dortmunder Wagen modernisiert in Danzig zur Verfügung stehen, aktuell waren es bis April 2011 bereits 37 Exemplare.

Fazit: Insgesamt kann die Modernisierung der Fahrzeuge überzeugen. Trotz der neuen Optik, die auf den ersten Blick nicht mehr unbedingt sofort an einen N8C erinnert, sind es eindeutig N-Wagen geblieben. Da der Kern des Fahrzeugs erhalten blieb sind die Laufeigenschaften nach wie vor tadellos und der Fahrkomfort insgesamt höher als z.b. bei den neuen Dortmunder NGT8. In diesem Zusammenhang und der Tatsache leerer öffentlicher Kassen kann man sich nun fragen, warum man nicht in Dortmund auf die Idee einer solchen Modernisierung gekommen ist...