NGT8: Der Nachfolger des N8C


 

Nach längerer Zeit der Spekulationen sind die Würfel gefallen. Nachdem im Juni 2005 EU weit die Ausschreibung für die neuen Wagen veröffentlicht wurde, fiel im Dezember 2005 die Entscheidung.
Nicht überraschend erhielt Bombardier Transportation den Auftrag zur Lieferung von 47 Niederflurwagen an die Dortmunder Stadtwerke AG ( jetzt DSW21 ).
Gebaut werden die neuen Wagen am deutschen Bombardier Standort in Bautzen. Den mechanischen Teil übernimmt Bombardier, die elektrische Ausrüstung wird von Vossloh Kiepe beigesteuert. Das Auftragsvolumen beträgt mehr als 100 Mio. Euro, wobei der elektrische Teil rund 30 % ausmacht.
Als Grundlage der neuen Dortmunder Niederflurbahnen vom Typ „Flexity-Classic“ diente der Frankfurter Typ S, dieser ist dort bereits seit geraumer Zeit mit großer Zufriedenheit von Verkehrsbetrieb und Fahrgästen im Einsatz. Insgesamt wurden bisher bereits rund 1300 Bahnen des Typs„Flexity-Classic“ ausgeliefert. Wagen dieses Typs laufen in Deutschland bereits unter anderem in Bremen, Franfurt/M., Kassel, Essen und Dresden.

Dortmund entschied sich also wie immer in den letzen Jahrzehnten für eine bereits bewährte Konstruktion, die großen Anfangsprobleme wie in vielen anderen Städten noch zu Beginn des Niederflurzeitalters sind somit nicht zu befürchten, auf Experimente wurde verzichtet. Das Fahrzeug besitzt 3 Module, mit einer Länge von 30 Metern bieten die neuen Niederflurwagen bis zu 185 Fahrgästen Platz, verteilt auf 71 Sitzplätze und 114 Stehplätze. Mit einer Breite von 2,40 m werden die neuen Niederflurwagen zwar 10 cm breiter als der jetzige N8C, aber deutlich schmaler als der Stadtbahnwagen B, der 2,65 m misst. Dennoch wurde im Innenraum eine 2+2 Sitzanordnung verwirklicht, die Gangbreite beträgt dadurch nur 520 mm. Das Leergewicht des Fahrzeugs beträgt 42,0 t, mit 66 % Auslastung 54,9 t.

Für Komfort und gute Fahreigenschaften sorgen bewährte Achsfahrwerke mit konventionellen Drehgestellen, der Niederfluranteil beträgt 70 %, die Einstiegshöhe liegt im Einstiegs- bzw. Niederflurbereich bei einheitlich 400 mm, die Fußbodenhöhe über den Triebdrehgestellen bei 620 mm. Für mehr Komfort und Sicherheit werden die Wagen im Innenraum mit Klimaanlagen sowie Videoüberwachungssystem und einem Fahrgastinformationssystem ausgerüstet, zudem besitzen die Wagen einen Fahrkartenautomaten, was für Dortmund eine absolute Neuerung bedeutet.

Die Antriebsleistung des Drehstromantriebs beträgt 4x105 kw, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei üblichen 70 km/h. Als Zugsicherung ist das in Dortmund bekannte und bewährte Zugsicherungssystem "ZUB200" installiert.

Als Lackierung wurde das mittlerweile bewährte weiß/rot gewählt, die doppelflügeligen Außenschwenkschiebetüren ( drei pro Seite, bzw. eine pro Modul ) sind als Kontrast in Silber gehalten.Die neuen Wagen erhalten die Betriebsnummern 1- 47 und die Typenbezeichnung NGT8. Im Zuge von Netzerweiterungen haben sich die Dortmunder Stadtwerke ( DSW21 ) zudem eine Option über 5 weitere Niederflurwagen dieses Typs gesichert.

In der Nacht vom 27. auf den 28. September 2007 erreichte mit Wagen 1 der erste NGT8 das Dortmunder Stadtgebiet, ausgeliefert werden die neuen Wagen bis August 2010 ( 4 Wagen in 2007, 14 in 2008 und die restlichen 29 in 2009 und 2010), in diesen rund drei Jahren werden sie sukzessive die 44 noch vorhandenen N-Wagen bis spätestens Mitte 2011 ablösen. Bis dahin werden auch deren Cross-Border-Leasingverträge ausgelaufen sein.

Die umfangreichen Testfahrten fanden ausschließlich im "alten" Stadtbahnhochflurnetz statt, da die NGT8 die alte oberirdische Innenstadtstrecke entlang der Kampstr. nicht problemlos befahren konnten. So konnte man Niederflurfahrzeuge an Hochbahnsteigen beobachten, und die Wagen auf Strecken sichten die sie später linienmäßig nie befahren werden.

Zur Eröffnung des neuen Ost-West Tunnels am 27. April 2008 standen somit bereits einige Niederflurwagen zur Verfügung und nahmen zunächst einen Mischbetrieb mit den N8C auf, und zwar zunächst auf der U43 zwischen Dorstfeld und Brackel. Sollten es ursprünglich 6 einsatzfähige Wagen sein, so kam es am Eröffnungstage bereits zu ersten kleineren Problemen mit den Türsteuerungen und im Doppeltraktionsbetrieb, was den Abzug der Wagen aus dem Linienverkehr bedeutete.Auch in den Folgetagen waren nur vereinzelt NGT8 auf der Strecke anzutreffen, Höhepunkt bildetet ein Vorfall am Abend des 10. Mai als es im Verbindungstunnel zum Tunnel 2 zu einem Schmorbrand an einer Steckverbindung auf dem Fahrzeugdach von Wagen 6 kam, was zu einer 3 tägigen Abstellung aller Fahrzeuge führte.

Nach den ersten "Problemwochen" hat sich die Lage entspannt und die Wagen laufen mittlerweile recht störungsfrei, Ende Dezember standen bereits 18 Wagen für den Linieneinsatz zur Verfügung, wovon allerdings teilweise ein Wagen für Fahrschulzwecke genutzt wird.

Im Dezember 2008 wurde, später als ursprünglich geplant, als nächste Linie die U44 zwischen Marten und der Westfalenhütte komplett auf die neuen NGT8 umgestellt.
Seit dem 15. August 2009 gelangen NGT8 nun auch auf der "langen" U43 vom Westentor nach Wickede, und zwar ausnahmslos und gewöhnlich in Doppeltraktion. Ab Januar 2010 nun sogar zwischen Dorstfeld und Wickede, da genügend Fahrzeuge zur Verfügung standen. Damit haben die NGT8 endgültig die Vorherrschaft auf der Ost-West Tangente übernommen.
Bis Anfang August 2010 waren 42 Wagen angeliefert und davon 40 im Einsatz. Wagen 20 fuhr im Dezember 2009 in der Schleife Wambel auf den stehenden N8C 127 auf und war seitdem mit schweren Beschädigungen abgestellt, im Juni 2010 wurde er zurück ins Herstellerwerk Bautzen überführt wo er aufgearbeitet wird.
Bedingt durch das Spreehochwasser im August 2010 wurde auch das Bombardier-Werk in Bautzen stark in Mitleidenschaft gezogen, die Produktion kam hier völlig zum Stillstand. Der sich dort zur Aufarbeitung befindliche Wagen 20 sowie der noch nicht ausgelieferte Wagen 43 erlitten dabei erhebliche Schäden. Auch die Anlieferung der restlichen Wagen 45 bis 47 hat sich dadurch deutlich verzögert. Bis Ende September fehlten immer noch die Wagen 43 und 47, sowie der wiederhergestellte Wagen 20.

Mittlerweile mehren sich auch Qualitätsmängel wie Rostbildung an den Karosserien und schlecht verarbeiteter Kunststoff im Innenraum. Es fällt auf, daß vor allem ältere Wagen bereits deutliche Knister- Knarz- und Klappergeräusche verursachen.